Über das Arbeiten, Social Media und den Weg zum Glück

Vor einem halben Jahr etwa saß ich auf dem Bett meiner Mitbewohnerin und hatte einen dieser typischen Momente in denen ich alle meine bisherigen Lebensentscheidungen hinterfragte. „Ich kann und will das nicht! Ich will einfach keine 40 Stunden arbeiten. Morgens ohne Energie aufstehen, nur um mich an einen Schreibtisch zu setzen und eine Arbeit zu erledigen, die nur einem Unternehmen, aber ganz sicher nicht mir etwas bringt. Das ist das Geld doch nicht wert, dass ich dafür meine Seele und meine Lebenszeit dafür verkaufe.“ Es war gerade Sommer und ich mit meinem Studium fertig. Das letzte was ich tun wollte, war in einem Büro zu sitzen und zu arbeiten – Und man soll es mir nicht verdenken. Schließlich ist der Sommer eine Utopie an sich. Jede freie Minute wird draußen verbracht und das Vitamin D wirkt wie ein Aphrodisiakum und begünstigt so verschönernde Vorstellungen über das Leben.

Auf der suche nach dem Sinn des Lebens

Ich denke ich sollte etwas vorspulen, um verständlich zu machen, wie es zu dieser tränenreichen Situation kommen konnte. Um meine Bachelorarbeit anzufertigen, verbrachte ich den Großteil des Winters über in der Bibliothek und schrieb, schrieb, schrieb. Als ich dann fertig war, fühlte ich mich zwar befreit, aber auch unendlich ziellos. Was kam nun? Ich hatte unendliche Möglichkeiten und doch keine Ahnung, was ich tun wollte. Also beschloss ich, erstmal eine Auszeit einzulegen. Für zwei Monate suchte ich den Sinn meines Lebens im portugiesischen Atlantik. Welle für Welle surfte ich Entscheidungen davon. Ich sah verschiedene Lebensentwürfe vorbeiziehen. Yogalehrerin in Melbourne? Kreativer Werbeguru in Hamburg? Oder doch als Digitale Nomadin in der Welt zu Hause sein?

So ein Studienabschluss ist nicht leicht. zunächst denkt man, man könne die Welt erobern und dann erkennt man die gnadenlose Realität. Fakt ist: Ich bin zwar gut im Yoga, aber nur Yoga zu unterrichten, ist nun wirklich nicht mein Lebensziel. Und die weite Welt ist zwar schön, aber ich brauche auch einen sicheren Hafen, in den ich nach einer Reise zurückkommen kann.

Die heile Base Social Media

Ich sehe die Bilder auf Social Media, sehe wie sich weiße schlanke Mädels an den Stränden dieser Welt räkeln und anscheinend nichts anderes tun, als Obst zu essen, zu reisen und dabei immer wieder dieses Zahnpastalächeln aufzusetzen. Ich glaube es ist diese Social-Media-Welt, diese heile Blase, die es unserer Generation und auch mir schwer macht, der Realität und 40-Stunden-Wochen ins Auge zu blicken. Wir wollen mehr Freiheit, mehr Work-Life-Balance, Home-Office und 100 Urlaubstage. Oder am besten direkt Yogalehrer oder digitaler Nomade werden.

Was wir nicht sehen

ist, dass all diese menschen auch Lebenskrisen haben. Auch sie müssen Rechnungen zahlen, arbeiten und sind auch mal fertig mit der Welt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt und es ist auch noch kein Social-Media-Star vom Himmel gefallen. Deshalb schalte ich heute mein Handy öfter ab, lasse es zu Hause und mich vor allem nicht mehr durch die ach so schönen Bilder vereinnahmen. Mein ideales Leben besteht nicht NUR aus reisen, nicht NUR aus Yoga, nicht NUR aus arbeiten. Ich möchte glücklich sein und das ist ab sofort mein oberstes Ziel. Ich werde einen Weg finden, wie ich Geld verdiene und mich dabei nicht tot arbeite. Werde einen Weg finden, wie ich oft genug die Tapete wechseln kann, um nicht in einer Routine einzugehen. All das lernt man irgendwann mit 23, 24, 25,.. 30? Das Glücklich werden ist ein Prozess, genau wie das Leben an sich. Nicht jede Station im Leben ist wundervoll, aber das muss sie auch gar nicht sein. Wir lernen aus Fehlern mehr über uns selbst. Jede Selbsterkenntnis ist ein Schritt in Richtung Glück.

Jetzt bin ich 23, habe schon eine Menge aus meinen Fehlern gelernt und mit jedem weiteren Irrweg komme ich meiner Identität ein Stück näher.

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