Ich bin ein Sensibelchen

Dieser Beitrag wird vermutlich der persönlichste den ich bis jetzt geschrieben habe. Mir ist immer etwas mulmig dabei gewesen Persönliches auf meinem Blog zu veröffentlichen. Es handelt sich hier immerhin um einen öffentlichen Blog, den jeder Internetnutzer lesen kann. Allerdings liegt mir das Thema, über das ich hier heute schreiben will, besonders am Herzen. Denn ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiv mit dem Thema Hochsensibilität. Vielleicht hast du auch schon davon gelesen, gehört oder dich informiert, vielleicht ist es dir aber auch noch völlig unbekannt.

Ich schreibe den Beitrag, damit einige verstehen, wie Hochsensible sich fühlen und damit sich solche, die hochsensibel sind Mut bekommen, sich nicht dadurch einschränken zu lassen.

 

Was ist diese Hochsensibilität?

Ein hochsensibler Mensch ist jemand, der mit seinen Sinnen verstärkt die Umwelt wahrnimmt. Man geht davon aus, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen hochsensibel sind. Sie haben meist ausgeprägte Emfindungen von Sinnen, beispielsweise haben sie ein besonders ausgeprägtes Gehör und nehmen Musik viel tiefer wahr, sind dagegen allerdings auch sehr empfindlich gegenüber lauten Geräuschen, wie Lärm. Sie sind schnell von großen Menschenmengen überfordert, da sie viele Details wahrnehmen, wie Gesichter, Stimmen und Farben. Deshalb entzieht es Ihnen oft die Energie wenn Sie lange unter vielen Menschen sind. Allerdings sind Hochsensible oft besonders emphatisch, sie können oft anderen Menschen ansehen, wenn diese schlecht gelaunt sind oder sich mit etwas beschäftigen. Sie haben sozusagen feinere Sensoren als andere. Sie sind oft sehr engagiert und motiviert, wenn es um Herzensangelegenheiten geht.

Dies sind nur einige der Punkte die mit Hochsensibilität einhergehen und es würde den Rahmen dieses Blogeintrages sprengen über alle Faktoren zu berichten. Hochsensibilität ist ein noch nicht besonders erforschtes Thema, allerdings gibt es einige gute Bücher, wie beispielsweise Hochsensibel – Was tun? von Silvia Harke oder den tollen Podcast Proud to be Sensibelchen für diejenigen, die sich weiter für das Thema interessieren. Es gibt einige Tests mit denen man testen kann, ob man zur Hochsensibilität neigt, beispielsweise diesen hier.

 

Zu empfindlich – Leben mit einer dünnen Haut

Ich war mir schon immer bewusst, dass ich sehr sensibel bin. Ich reagiere stark auf negative Kritik und nehme mir vieles zu sehr zu Herzen. Bei manchen Kinofilmen schrecke ich schon bei den kleinsten unerwarteten Momenten so sehr zusammen, dass ich beinahe mein Popcorn verschütte und Horrorfilme kann ich schon gar nicht schauen.

Besonders auf Reisen merke ich immer wieder wie mich meine Sensibilität beeinflusst. So hatte ich zum Beispiel einen nervlichen Aussetzer in Indien, als ich eine Rikscha bestellen wollte. Es strömten zig Rikscha-Fahrer auf mich zu, bis ich mich in einer Traube aus schreienden Männern befand und meine Freunde schon 50 Meter weiter waren. Das war einfach zu viel für mich, ich hatte einen Nervenzusammenbruch und konnte erst nach 10 Minuten Beruhigung in einer ruhigen, schattigen Ecke wieder unter Menschen gehen. Auch wenn dies ein extremes Beispiel ist, beeinflusst mich die Sensibilität bei Reisen besonders stark, da dort auf viele ungewohnte Eindrücke vorherrschen.

 

Augen zu und durch

Gerade auf Flughäfen und in Ländern mit einer komplett anderen Kultur, wird man von besonders vielen neuen Eindrücken umgeben. Für sensible Menschen ist dies sehr anstrengend und sie versuchen daher oft derartige Situationen zu vermeiden. Auch ich hatte lange Zeit Angst vor dem Reisen, insbesondere dem Reisen alleine. Ich bin schnell überfordert mit ungewohnten Situationen. Allerdings habe ich mir geschworen mich nicht durch diese Angst hindern zu lassen. Ich wurde schon oft gefragt wieso ich in ein Land wie Indien reise, oder alleine fliege. Die einfache Antwort ist:

Ich lasse mich nicht durch meine sensible Art davon abhalten, das leben auszukosten und meinen Träumen nachzugehen.

Sicherlich war es mitunter schwierig in Indien, aber ich habe dort so viel neues gelernt und tolle Menschen getroffen, sodass ich die Zeit nicht missen möchte. Sie hat mich als Mensch gestärkt. Wenn man Ängste nicht überwindet, bleibt man irgendwann in seinen eigenen Mauern gefangen, mit der Angst davor das Leben zu leben. Und ich will ausbrechen, frei sein – auch als Sensibelchen.

 

Ich bin froh ein Sensibelchen zu sein

Die Hochsensibilität hat nicht nur negative Seiten!

Ich denke, dass ich durch meine sensible Art die Fähigkeit habe, auf einer anderen Ebene mit Menschen umzugehen. Denn ich merke sofort, wenn eine Freundin etwas bedrückt und bin ein guter Zuhörer. Außerdem habe ich ein ausgeprägtes Gespür für schöne Gestaltung, Formen, Farben und Ästhetik. Hochsensible sind nicht selten grandiose Maler, Musiker, Designer, oder Architekten. Man muss nur seine Passion finden und die Sensibilität richtig nutzen können. Seitdem ich gelernt habe mit meiner dünneren Haut umzugehen, ist es sogar schön hochsensibel zu sein. Ich weiß, dass sie mich zu dem kreativen, emphatischen Menschen macht, den meine Freunde schätzen.

 

Ich hoffe dieser kleine Exkurs in die Welt einer Hochsensiblen hat dir gefallen. Vielleicht hast du ja den Test gemacht und bist sogar selbst hochsensibel?

 

Quelle:  Zart besaitet

1 Comment

  1. Antworten

    Klaus

    26. Juli 2018

    Namaste, meine Hochachtung und Ehrerbietung für diese Wundervollen Impressionen und Gedanken. Möge Shiva Sie auf allen Ihren Wegen begleiten.

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