Kulturelle Unterschiede – Drei Dinge, die ich an Indien vermisse

Fast drei Monate sind jetzt seit meiner Zeit in Indien vergangen. Ich habe dort Freunde gefunden, die Kultur kennengelernt, vieles an Lebenserfahrung gewonnen und gerade wird mir bewusst, dass mir einige Dinge sehr fehlen. Das sind nicht nur leckere Dosas und Naan Brot, sondern auch Verhaltensweisen der Inder:

Das Kopfwackeln

Ich denke jeder hat schon mal einen Inder mit dem Kopf wackeln sehen. Diese lustige Kopfbewegung, das Hin- und Herwiegen, das mal leicht und mal ganz stark ausfallen kann. Es ist meiner Meinung nach die beste Erfindung der Inder, direkt nach der Zahl Null. Das Kopfwackeln kann nämlich für Alles stehen, ja wirklich Alles: „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“, „Ist mir egal“, oder „Ich habe keine Ahnung wovon du gerade sprichst“. Du weißt gerade nicht was du antworten sollst, oder hast keine Lust weiter zu diskutieren? Einfach mit dem Kopf wackeln und alles ist geregelt!

Ich bin schon des öfteren sehr durch diese vielen Bedeutungen verwirrt worden. So wollte ich zum Beispiel eine Rikscha nehmen und fragte den Fahrer ob er mich an das Ziel xyz bringen könnte. Er schüttelte stark den Kopf und ich ging sofort weiter, schockiert von seiner Abweisung. Dann lief der Fahrer mir aber hinterher und rief mir in schlechtem Englisch zu warum ich denn nicht einsteigen wolle. Erst dann fiel mir auf, dass dieses Kopfschütteln ein Ja heißen sollte.
Es gab in den Sechs Monaten zahllose dieser Verwirrungen. Irgendwann habe ich mir das Kopfwackeln auch angewöhnt, es ist halt praktisch!

Das Essen teilen

Die Inder sind ein unglaublich warmherziges Völkchen. Dies reicht sogar soweit, dass sie gerne ihr Essen teilen (Ja, durchaus verrückt). Beim Lunch stellen alle ihre mitgebrachten Tupperdöschen auf den Tisch und Jeder bedient sich bei Jedem. Beim Essen im Restaurant wird eine große Variation an Gerichten bestellt, von denen sich dann jeder, wie bei einem Räuberteller, alles nehmen kann. Das Schöne: Jeder hat eine Auswahl an Gerichten zur Verfügung und alle werden satt. Es gibt keinen Futterneid! Ja auch wenn es schwer zu glauben ist, aber Essen zu teilen hat wirklich seine Vorteile.

Gelassenheit und Chai trinken

Als Deutscher hat man es manchmal schwer in Indien, gerade dann, wenn man so richtig typisch deutsch ist und wert auf Pünktlichkeit, Ordnung und Planung legt. Denn Inder sind nicht wirklich gut in solchen Dingen. Ein Freund von mir sagte einmal, er wäre einfach nur unpünktlich, weil er gewöhnt ist, dass um ihn herum alles zu spät ist. Er wäre also in diese Unpünktlichkeit bereits hineingeboren. So kann man es auch sehen. Nach unzähligen gecancelten Meetings auf meiner Arbeit und Verabredungen, bei denen ich bis zu einer Stunde warten musste, habe ich mich angepasst, in Ruhe einen Chai getrunken und bin einfach auch zu spät gekommen, habe sozusagen nach Indischer Zeit gelebt. Und es hat tatsächlich funktioniert: Ich war pünktlich.

Die Unpünktlichkeit sollten wir uns sicher nicht abschauen. Eine Tatsache ist aber, dass Inder total entspannt sind und warten einfach darauf, dass die Dinge passieren. Sie haben eine gesunde Gelassenheit. Wir können uns da sicher mal eine Scheibe abschneiden und in Ruhe einen Tee trinken, wenn mal die Bahn Verspätung hat, oder ein Freund dich versetzt.

 

2 Comments

  1. Antworten

    richi

    19. März 2018

    Ich bin jedes Mal begeistert über die tollen Fotos und Beschreibungen Ihrer Seiten.
    Danke.
    Weiter soo…

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